das wandbild

Mit Blick auf die 800-Jahr-Feier Luzerns animierte der damalige Stadtrat um 1975 die Quartiervereine, einen Beitrag zur Verschönerung der Stadt zu leisten. Nach dem Motto «Mut zur Farbe» initiierte der Verband luzernermaler (damals Malermeisterverband Luzern und Umgebung) den bunten Anstrich der Steinenstrasse-Häuser. Die Wand am Ende der Strasse aber blieb grau. Daraufhin konnte der Quartierverein Hochwacht den Künstler und Grafiker Werner Vogel für die Gestaltung eines Wandbildes gewinnen. Seither ist das Bild Teil der Quartieridentität.

Die

Entstehung

 

 

Das Bild ist eine Momentaufnahme der Strasse im Jahr 1978. Vogel fotografierte die Strasse von unten und malte sie spiegelverkehrt wieder auf. Anschliessend wurde das Bild auf 20 Meter vergrössert. «Das rote Auto auf dem Bild war damals meines», sagt der Künstler und muss lachen ob der Erinnerung. Die junge Frau, die aus dem Fenster schaue, sei Franziska von Sägesser, heute selber Künstlerin. «Die Kinder vorne sind meine beiden Töchter Sara und Vera.» Und der kleine Junge, der mitten auf der Strasse stehe, sei letzthin vorbeigekommen. «Der Sohn des Wirtepaars des ehemaligen Restaurants Schwert. Mittlerweile erwachsen hat er sich daran erinnert, dass er jeweils dort gestanden und den Arbeiten zugesehen hat. Er war damals sieben oder acht Jahre alt», erzählt Vogel.

Die Tomate

auf dem

Fenstersims 

 

 

Doch ein genauer Blick zeigt: Einige Details vom Wandbild sind so auf dem Original nicht zu finden. Der Künstler grinst verschmitzt. «Sehen Sie die Tomate auf dem Fenstersims der jungen Frau?» Diese habe sich bei ihm beklagt, dass ihr die Leute direkt ins Zimmer starren würden. «Da habe ich ihr die Tomate hingemalt, die sie nach den Gaffern schmeissen kann», so Vogel.

 

​Das farbenprächtige Wandbild von Künstler Werner Vogel ist in die Jahre gekommen. Zusammen mit Lehrlingen greift er nun selbst zum Pinsel – das dürfte auch seine Töchter freuen. 

Die Witterung hat dem Riesengemälde an der Steinenstrasse stark zugesetzt. Der Putz bröckelt, und die Farben sind über die Jahre verblasst. «Jeden Tag musste ich zusehen, wie das Bild immer mehr zu bröckeln beginnt – es musste dringend etwas getan werden», so die am Sanierungsprojekt beteiligte Dekorationsmalerin Sylvie Meylan, die im Gebäude direkt neben dem Wandbild wohnt. Jedes Mal, wenn sie sich das Bild angesehen hat, habe ihr Herz geblutet. Als Fachfrau hätte sie am liebsten sofort selbst zu Pinsel und Farbe gegriffen.

 

Doch die Sanierung ist gar nicht so einfach: Das Bild ist rund 20 Meter hoch und erfordert ein Gerüst – sowie das nötige Kleingeld. Dieses wurde dank der Initiative des Verbandes Luzernermaler und dem Quartierverein Hochwacht aufgetrieben.

Die Verantwortlichen haben sich zum Ziel gesetzt, das einzige Dokument aus der Luzerner Street-Art-Szene

der 70er-Jahre vor dem Zerfall zu retten.

Bild wird

nicht verändert 

 

 

Das etwa 2 Meter hohe Originalbild, welches als Vorlage für das riesige Wandbild diente, hat der Luzerner Künstler Werner Vogel (77) jahrelang in seinem dunklen Keller gelagert. Daran orientieren sich nun die auserwählten Lehrlinge der Luzernermaler und die Dekorationsmalerin Sylvie Meylan, die gemeinsam an dem Bild arbeiten. Damit das Wandbild wieder in vollem Glanz erstrahlt, greift auch Werner Vogel selbst zum Pinsel – und klettert mit Farbeimer und Mischpaletten mehrmals täglich auf das rund 20 Meter hohe Gerüst.

 

Noch fünf Wochen wird der ganze Sanierungsprozess dauern. «Bis zum Steinenstrassenfest im September muss das Gerüst sowieso weg sein», sagt Marc Germann vom Quartierverein Hochwacht. Er hat zusammen mit den luzernermalern und auf Initiative von Sylvie Meylan hin, die ihr Atelier gleich neben dem Bild hat, die Sanierung ins Rollen gebracht. Das heisst: Geld gesammelt. Während zwei Jahren haben sie über 60’000 Franken zusammengetragen  durch Materialspenden, private und gewerbliche Sponsoren, aber auch durch Freiwilligenarbeit.

Viel Geld für ein Wandbild, könnte man einwerfen. «Es ist undenkbar, dass ein anderes Bild darüber gemalt würde oder die Wand einfach in einer Farbe gestrichen worden wäre», kontert Germann. Das Bild sei der Stolz der Anwohner. «Es ist etwas Spezielles in einer speziellen Strasse.» Das zeige sich auch jetzt während der Arbeiten: Es kämen jeden Tag Leute vorbei, die ihre Geschichten zum Bild erzählen. So wie der Junge vom Restaurant Schwert. «Es zeigt sich aber auch an der breiten Unterstützung und dem Zuspruch, die wir im Quartier erfahren haben. Das Bild muss weiterleben.» Das wird es. Für weitere 40 Jahre zumindest.